EK meet

Man könnte bei der sechsten Civic-Generation fast sagen, dass sie zwischen zwei Epochen gefallen ist. Der Begriff Oldschool wurde durch Hip-Hop populär. Dort wollte sich damals die neue Generation von den Rappern der 1970er und früher 80er abgrenzen. Ursprünglich war das eher im negativen Sinne gemeint, man wollte sich von dem «altbackenen» Hip-Hop der Anfangstage emanzipieren. Mittlerweile ist das natürlich auch im Hip-Hop überholt und Oldschool wird als Kult gefeiert. In der Honda-Szene ist Oldschool klar positiv verknüpft und bezeichnet im Wesentlichen die Modelle aus den goldenen Neunzigern. Beim Honda Civic geniesst besonders die vierte Generation Kultstatus. Die EE/ED-Serie (in Japan EF-Serie) war das erste Modell mit dem legendären B-Motor mit VTEC. Gleich dahinter kommt der EG-Civic, der ebenfalls als Klassiker gilt. Mit dem neuen Millennium kam «The Fast and the Furious» und damit Chrom, GFK und viel Blingbling. Bei Honda hat man gleichzeitig damit begonnen die Modellpalette einzudampfen, während 1999 noch über zehn Modelle in den Showrooms der Honda-Händler standen, sind es heute nur noch halb so viele. Aus dem Civic wurde erst ein Minivan, dann ein Raumschiff (so die Kommentare in der Honda-Fangemeinde). Newschool war eine grosse Umstellung für Honda-Enthusiasten. Aber hey! Da haben wir doch noch etwas vergessen! Was ist denn mit dem EK-Civic?



Auch die sechste Generation des Honda Civic ist ein Kind der 90er, bloss wird die EK-Serie oft nicht als ein solches wahrgenommen. Dabei wird doch gerade der erste Civic Type R heute noch gefeiert. Alle anderen Civics dieser Generation standen aber wohl auch deshalb im Schatten des EK9. In Europa gingen zudem die Verkaufszahlen beim sportlichen, 160PS leistenden Civic VTi nach der Einführung des Honda Integra Type R spürbar zurück. Warum sollte man sich einen Civic EK4 kaufen, wenn man für ein paar Franken mehr einen DC2 haben konnte? Honda hat sich zwar in der Schweiz allerlei Sondermodelle einfallen lassen, von Jordan über Rally und Type S bis zum F1, aber geholfen hatte das wenig. Der Hatch hatte einfach nicht die Aura des Civic EE9 oder EG6. Ausser natürlich der EK9, aber den Type R gab es nur in Japan. Trotzdem war es der Geist des Type R, welcher den EK am Leben gehalten hat. Anders als die englischen VTi-Fünftürer und -Kombis aus dieser Zeit, die heute praktisch verschwunden sind, konnte sich der EK4 eine treue Fangemeinde erhalten. Zum Glück! Denn rein aus Sicht der Performance war die EK-Serie um Welten besser der EE oder EG. Das Chassis war verwindungssteifer und der Radstand länger. Das ABS verdiente erstmals seinen Namen (der EE hatte keins und beim EG wäre keines besser gewesen als das unbrauchbare Zweikanal-ABS). Positiv kam dazu, dass viele Teile aus dem Integra und Civic Type R praktisch eins zu eins getauscht werden konnten.



Vor 20 Jahren liefen die letzten EKs in Japan vom Band. Zeit also das Modell mit einem EK meet zu würdigen. Das Treffen war nicht das erste seiner Art, aber das erste seit langer Zeit. Das letzte Mal haben sich die EK-Fans 2014 getroffen. Wie damals auch kam die Initiative auch 2021 aus dem HondaHolics-Forum und die Jungs von Zoatec haben ihre Garage in thurgauischen Bürglen bei Weinfelden als Location zur Verfügung gestellt. Der Honda-Tuner aus der Ostschweiz ist nicht nur bekannt als Importeur von K Sport-Fahrwerken und -Bremsanlagen, sondern hat sich in den letzten Jahren in der Honda-Szene auch einen guten Ruf für hochwertige Tuning-Umbauten gemacht. Die Gastgeber versorgten die Community mit Wurst vom Grill und kühlem Bier – dass regnerische 16 Grad nicht grad als typische Bier-Wetter waren, spielte dabei keine Rolle.



Dass Qualität wichtiger ist als Quantität, bestätigten die sieben Civics, die auf dem SUN Areal zusammengekommen waren. Es handelte sich ausnahmslos um EK4, die alle individuell optimiert waren. Ob leuchtend in Phoenix Yellow, einfach in Weiss und Silber oder individuell in Dunkelgrün-Metallic, farblich wurde Abwechslung geboten. Dass der EK-Civic zu Unrecht ein Nischendasein fristen musste, bestätigt die Tatsache, dass optisch kaum etwas gemacht werden muss damit der Wagen wirkt. Etwas tiefer, andere Felgen und der Hatch steht perfekt da. Beim Facelift-Modell konnte die EK9-Hecklippe als Originalzubehör offiziell über die Honda bestellt werden – mehr braucht es eigentlich nicht. Ein bisschen mehr schadet aber trotzdem nicht. Einige der Fahrzeuge am Treffen hatten den EK9-Heckspiler verbaut, der die Dachlinie etwas besser abschliesst. Mit dem Spoon- und dem Bomex-Wing wurde im Bereich der Flügel zusätzliche Abwechslung geboten.



Dass auch ein umfangreich umgebauter EK-Civic Hatchback dezent wirken kann, konnte man gut am dunkelgrünen Exemplar sehen. Das C-West-Kit ist eines der wenigen Bodykits das in der Szene mit Motorsport in Verbindung gebracht wird. Viele EKs wurden in der Anfang der Noughties herrschenden Fast an Furious-Manie zu GFK-Showcars umgebaut, deshalb waren Bodykits unter Performance-Enthusiasten eher tabu. C-West ist die Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Aber nicht nur das Bodykit war JDM, von den Volk Racing TE37-Felgen bis zu den Bride-Schalensitzen war der Civic konsequent im JDM-Style modifiziert.



Eindeutige Sleeper waren die beiden Turbo-Civics. Interessant, dass die beiden einzigen Turbo-Kits die legal in der Schweiz verbaut werden dürfen, am EK meet dabei waren. Der gelbe Turbo-Hatch von Zoatec mit ihrem eigenen Kit war vielleicht aufgrund der leuchtenden Farbe und der Zoatec-Beschriftung etwas auffälliger. Der weisse EK mit dem Enkei RPF1-Felgen mit dem Turbo-Kit von R-Performance wirkte wegen der Farbe vielleicht etwas unschuldiger. Ordentlich Bums haben beide! 220+PS erwartet niemand in diesen «alten Kisten».



Rückblickend sieht die Welt immer anders aus. Am Sonntag musste man sich fragen warum die sechste Civic-Generation damals nicht mehr gewürdigt wurde – mehr Anerkennung hätte sie schon vor 25 Jahren verdient. Mittlerweile ist der EK rar geworden, aber es gibt ihn noch! Dass es weiterhin Fans gibt, welche die Civic-Modelle aus der zweiten Hälfte der Neunziger hegen und pflegen ist eine Bereicherung für die Honda-Szene. Wie langweilig wäre es, wenn nur noch neue Civic Type R an den Treffen, Ausfahrten und Trackdays zu sehen wären. Das Schöne an der Honda-Community ist die Vielfalt und die EK-Fans tragen massgeblich zu dieser bei. Ob es wieder sieben Jahre gehen wird bis zum nächsten EK meet? Wir hoffen nicht!


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