Hochdrehzahlkonzept erstmals bei Audi
Ein gewisses Schmunzeln werden sich die Münchner Motorspezialisten ohnehin kaum verkneifen können, denn Audi eifert ganz offensichtlich dem Konzept des Traditionsbetriebes aus der Landeshauptstadt nach, und das besagt: Richtig sportlich sind Motoren, die ohne Anabolika wie Kompressor und Turbo ihre Leistung über die Drehzahl holen. „Wir setzen den Turbo ein, wo er passt, und haben uns beim RS4 jetzt eben für das Hochdrehzahlkonzept entschieden“, sagt Audi-Chef Dr. Martin Winterkorn gegenüber FOCUS Online. Im Klartext: Die Audi-Leute haben erkannt, dass Motoren mit Turbo-Aufladung zwar hohe Drehmomente bringen – prima für beeindruckende Prospekt-Protzereien – aber die hohe Schule sportlichen Fahrgefühls weniger beherrschen: Sie hängen einfach träger am Gas als gut gemachte Saugmotoren.
Maximal 8250 Touren
Audi hat den hauseigenen V8 nun auf respektable Werte gehievt. Aus 4163 Kubikzentimetern mobilisiert das Aggregat 420 PS und dreht maximal 8250 Touren – willkommen im elitären Club jener Saug-Triebwerke, die mehr als 100 PS pro Liter Hubraum leisten. Keine Überraschung für technisch beschlagene Autokenner: Der V8 bemüht die Audi-Direkteinspritzung „FSI“.
4,8 Sekunden bis 100
Die Werksangaben von 4,8 Sekunden bis 100 und 16,6 Sekunden bis 200 setzten trotz 420 PS voraus, dass die Leibesfülle des RS4 nicht so ausgeartet ist wie bei manchen anderem leistungsstarken Audi. Aluminium an vorderen Kotflügeln und Haube belegt, dass die Entwickler dem Speck zu Leibe gerückt sind. Das Leistungsgewicht von 3,93 Kilo pro PS ergäbe 1670 Kilogramm Leergewicht. Nicht gerade supersportlich, aber angesichts der Umstände (Allradantrieb) beachtlich wenig. Und wie bei reinen Hecktrieblern entlässt der RS4 die meisten seiner maximal 430 Newtonmetern Drehmoment an die Hinterräder – die Kraftverteilung von 60:40 nähert den Sport-Audi auch in dieser Disziplin dem heckgetriebenen Wettbewerb an.
Geist der Ahnen beschworen
Für die Präsentation des RS4 auf dem Ingolstädter Werksgelände hatte Audi viel Geschichte aus 25 Jahren Quattro-Antrieb und den Geist der Ahnen bemüht: Rallye-Legenden wie Hannu Mikkola, Michèle Mouton, Stig Blomquist und Walter Röhrl pilotierten die historischen Rennwagen, einst auf der Rallye Monte Carlo und anderen legendären Pisten unterwegs, über eine präparierte Eisfläche. Auspuffknatternd, turbopfeifend und im gezähmten Drift. Klar, dass auch der neue RS4 über eine steile Schanze fuhr zur Präsentation, wie die Ahnen einst im Spot für „Vorsprung durch Technik“. Irgendwie passend, dass es zur Show schneite.