Turki: Du hast sicher recht. Ich finde auch, dass wir erst etwas sagen können, wenn Preise und Ausstattung des neuen Civic Type R bekannt sind - allerdigs bezweifle ich, dass man dann gleiches mit gleichem vergleichen wird. Auch dann wird es heissen, der Civic wird mit einem Katalogpreis von XY angegeben, aber mein Kumpel hat einen Golf mit Währungsrabatt, Vorführrabatt, Frühligsrabatt und was auch immer für Rabatt für den gleichen Preis erhalten, oder im Internet habe ich einen 2013er STi mit 50km für weniger gesehen 
@vtecinsinde999: Das klingt ja fast so, als wären europäische Hersteller rückständig und hätten bis vor kurzem nur schwere, durstige, unkomofrtable und teure Autos gebaut. Das sehe ich aber nicht so, die Konkurrenz aus Europa war und ist stark. Es ist nicht so, dass Europa gegenüber Japan aufgeholt oder Japan gegenüber Europa zurück gefallen wäre, es ist eher so, dass sich die Hersteller einander angenähert haben, unabhängig ihrer Herkunft.
Japaner sind heute gleich schwer wie Europäer, auch weil sie mehr Ausstattung haben. Die Preise sind auch näher beieinander, weil alle Hersteller an den glechen Orten bzw. in gleichen Lohnniveaus produzieren. Die Qualität ist auch vergleichbar geworden, weil alle Hersteller dem gleichen Kostendruck ausgesetzt sind. Aus dem gleichen Grund, und wegen global geltenden Emissionsvorschriften, ist auch die Technik auf einem vergleichbaren Niveau. Es gibt heute eigentlich keine schlechten Autos mehr.
VAG ist ein gutes Beispiel eines modernen Autokonzerns. Die Kosten werden auf verschiedene Fahrzeuge verteilt die eine identische Technik einsetzen. Die Unterschiede sind nur noch im Design und im Marketing festzustellen. Dadurch, dass man verschiedene Kundensegmente bedient, von Preiswert bis Premium, sind die Preise vor allem in den unteren Segmenten attraktiver geworden. Die tieferen Margen bei Seat oder Skoda werden nur durch die hohen Margen im Premium-Segment möglich.
Da wird es für Hersteller wie Honda (neben BMW der einzige unabhängige Autohersteller) schwierig mitzuhalten. Ein Bekannter hat sich letztes Jahr einen Skoda Rapid Kombi gekauft. Der Wagen hat ihn gut ausgestattet, mit DSG etc. etwas um CHF 25'000 gekostet, also etwa soviel wie ein Jazz Exclusive. Ein Civic mit vergleichbarer Ausstattung hätte gut 5'000 mehr gekostet. Wie ist das möglich? VAG bietet nahezu dieselbe Technik auch in Seat- und VW-Modellen an, alles in allem werden also vom "gleichen" Auto wesentlich höhere Stückzahlen verkauft, was die Entwicklung pro Einheit wesentlich günstiger macht. Die gleiche Technik kann zudem über einen wesentlich grössren Zeitraum mit gewissen Optmimierungen verwendet werden. Der 1.9/2.0 Liter Diesel Motor von VAG wird in verschiedenen Evolutionsschritten seit gut 20 Jahren eingesetzt, das spart Kosten.
Honda hat zudem strategisch in der Vergangenheit grosse Fehler gemacht. Man hat z.B. extrem lange gewartet bis man einen Diesel-Motor angeboten hat, dieser war in Verbindung mit einem Automatikgetriebe sogar erst viel später verfügbar. Nur schon damit hat man viele Kunden an die Mitbewerber verloren. Zudem hat man sich mit den grünen Technologien (Stichwort Hybrid) auf den Holzweg begeben. Dies in Verbindung mit einer Abkehr von der sportlichen Ausrichtung hat zu einer weiteren Abwanderung von Kunden geführt.
Wenn wir ein Auge auf die Sportmodelle in der Kompaktklasse werfen, dann sehen wir, dass in den 90ern Honda in dem Bereich führend war. Anfang 90er waren Civic und CRX VTEC der Konkurrenz von VW, Opel & Co überlegen, dies wurde mit dem Integra Type R konsequent weiter geführt. Zu dieser Zeit waren GTi, GSi usw. praktisch nur noch Ausstattungslinien, die wenig mit den Sportmodellen der 70er und 80er zu tun hatten. Bereits Anfang der 2000er haben aber z.B. VW aufgeholt. Der Golf V GTi war erstmals wieder ein direkter Konkurrent zum Civic Type R - vergelichbare Performance zu einem vergleichbaren Preis. Danach hat Honda den Anschluss verloren. VW kam mit immer bessern Ausbaustufen, BMW hat den 1er eingeführt und spätestens Mitte der 2000er hatten alle europäischen Hersteller Modelle am Start, die Honda überlegen waren. Als 2007 der FN2 eingeführt wurde, stand er in Konkurrenz mit Focus ST, Astra GTC, Golf GTi etc. Alles Modelle, die über ein besseres Leistungsgewicht verfügten und auch punkto Handling einen deutlichen Schritt nach vorne machten. Davon abgesehen war bei den besagten Modellen immer noch eine gröbere Ausbaustufe verfügbar (Focus RS, Astra OPC, Golf R). Im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2008 hat sich Honda schlussendlich vollends vom "Sport" verabschiedet, der Rückzug aus nahezu allen Motorsportserien und die Priorisierung der grünen Modellen auf Kosten der Sportmodelle hat auch treue Kunden vergrault und Honda damit weit von seinem Ursprung entfernt.
Und wo stehen wir heute? Honda hat eindeutig einen neuen Kurs eingeschlagen, "back to the roots" sozusagen. Die Rückkehr in den Motorsport (WTCC, F1) wurde begleitet von der Lancierung neuer Sportmodellen. Der neue Civic Type R spielt endlich wieder in einer Liga mit der Konkurrenz (wir müssen realistisch sein, mitspielen heisst nicht übertrumpfen), der neue NSX knüpft an die Vergangenheit an und auch die geplanten kleineren MR-Modelle (Beat-Nachfolger und S2000-Nachfolger), sind eindeutig ein Statement der neuen Sportlichkeit. Hybridmodelle werden wieder in die Niesche gerückt und auch konkurrenzfähige Familienmodelle runden das Portfolio sinnvoll ab.
Ich will nicht sagen, dass Honda in Zukunft alles in den Schatten stellen wird, aber ich hoffe, dass die neue Ausrichtung Honda wieder dorthin bringt wo sie in den 90ern waren und die Marke dort platziert, wo wir sie kennen und lieben gelernt haben. Warum sind wir Honda-Fans? Weil wir Autos mögen, die (zumindest in Europa) nicht an jeder Strassenecke zu sehen sind (in Japan übrigens auch nicht), die nicht Mainstream sondern etwas aussergewöhnlich sind und eine Alternative zum alltäglichen Einheitsbrei bieten. Auch wenn der neue Civic Type R nicht schneller als die Konkurrenz ist, nicht billiger oder besser ausgestattet, so wird er doch auf Augenhöhe sein, nur halt eben etwas anders, ein Honda halt 