Frech? Actio = reactio... 
Offenbar sind hier die Grundpunkte der Diskussion aus den Augen verloren worden. Hier eine kurze Zusammenfassung:
Begonnen hat das Ganze mit der Frage über Sinn und Unsinn der Aufladung eines Honda-Motors mittels eines Elektro-Turbos von Ebay, dass ein solches Gerät nichts taugt, darüber waren sich alle einig.
Daraufhin kam die Frage auf, ob es sinnvoller wäre einen Turbo oder einen Kompressor zu verwenden. Hier wurde dann die Aussage gemacht, dass es nur eine einzige sinnvolle Lösung gibt und zwar einen Kompressor. Als Hauptargument wurde aufgeführt, dass der Turbo explosionsartig einsetze und damit den Antriebsstrang zu stark strapaziere.
Ich habe dann meine Erfahrung im Bereich des Tuning von Hondas einfliessen lassen und Aussagen entkräftet, denn...
- die Leistung entfaltet sich nicht expolsionsartig, der Lader setzt smooth ein.
- die Leistung steigt auch bei einem Turbomotor linear an.
- das Ansprechverhalten wurde gegenüber alten Turbosystemen wesentlich verbessert, eine Verzögerung ist kaum mehr feststellbar.
- durch die Ladeluftkühlung ist die thermische Belastung geringer.
- ein Turbosystem ist effizienter, da kein Riehmen Leistung "frisst".
Vorausgesetzt ist natürlich eine professionelle Zusammenstellung der Komponenten und der fachmännische Einbau und die Abstimmung.
Im Verlaufe der Diskussion kamen dann von SIN CAR verschiedene Aussagen wie.
Die Lösung über FMU und Piggyback-Zusatzgeräte ist sauberer als die Verwendung grösserer Düsen und einer komplett neu abgestimmten ECU.
Diese Aussage ist falsch, Erfahrungen bei Jackson Racing-Umbauten haben gezeigt, dass die Lösung mit grösseren Düsen und komplett abgestimmter Elektronik im direkten Vergleich mit der FMU den Verbrauch reduzierten und die Abgaswerte über den ganzen Zyklus verbessert haben. Auch das Ansprechverhalten und der Leerlauf haben sich gegenüber Lösungen mit FMU und Piggyback-Controllern verbessert.
Ist ja auch logisch, das FMU ist grundsätzlich nichts weiter als ein Bauteil, das Drehzahlabhängig den Benzindruck erhöht um das Gemisch anzufetten. Ein Piggyback-Controller manipuliert Sensorwerte und erzwingt so eine andere Reaktion von der ECU bzw. gibt die Informationen der ECU verändert weiter. Die Programmierung der ECU mit all seinen komplexen Zusammenhängen bleibt jedoch unverändert!
Es gibt sehr viele Erfahrungen mit der FMU und VAFC-Hack bei Honda Turbo- und Kompressorumbauten. Heute macht das praktisch niemand mehr so, weil die Lösung mit grösseren Düsen und Retune relativ günstig realisiert werden kann und deutlich effektiver sind.
Bei gleichem Ladedruck erreicht man mit dem Kompressor eine höhere Leistung als bei einem Turbo-System.
Auch diese Aussage ist falsch. Ein direkter Vergleich zwischen einem Drag 3-Turbosystem und einem Jackson Racing Kompressorumbau mit identischem Ladedruck auf einem B16A2 haben gezeigt, dass die Leistungskurve beim Kompressor nur bis zu einer Drehzahl von etwas über 3000 u/min besser verläuft, darüber steigt die des Turbo-Motors deutlich an. Auch sonst ist die Erfahrung so, dass Kompressormotoren bei gleichem Ladedruck immer weniger Leistung erreichen, ob das nun Roots-Umbauten von Jackson Racing sind, oder solche mit Vortech-Zentrifugalladern.
Die Ursache ist logisch, der Kompressor läuft über einen Riehmen mit und der Antrieb dieses verlangt eine gewisse Arbeit, die der Motor verrichten muss, man hat also eine gewisse Verlustleistung.
Bei einem Turbo-Umbau gibt es thermische Probleme im Bereich des Zylinderkopfes, weil sich im Krümmer vor dem Lader Abgasseitig ein Rückstau bildet und so der Kopf extrem aufgeheizt wird.
Je nach Motor, Krümmerdesign etc. mag das bei anderen Marken zutreffen. Bei Honda-Turboumbauten sind diese Probleme unbekannt bzw. die Unterschiede so gering, dass sie kein Problem darstellen. Selbst mit den oldschool Log-Style-Gusskollektoren gab es keine Probleme, bei modernen equal length Edelstahl-Krümmern erst recht nicht.
Das sind, wenn ich es richtig im Kopf habe, die "big points" dieser Diskussion. Wie immer bei Tuning spielen persönliche Präferenzen eine wesentliche Rolle. Rikli, ACe oder auch die Leute von Jackson Racing haben sicher etwas andere Ansichten und schwören auf ihre Kompressor-Umbauten; MKR, BHT und diverse Turbo-Tuner aus den USA würden sicher meine Sichtweise unterstützen. Das ändert aber nichts an gewissen Fakten, die ein professioneller Tuner kennt und Nachteile bewusst eingeht, weil gewisse andere Vorteile (auch wirtschaftliche, schliesslich soll sich ein Umbau ja auch verkaufen können) aus seiner Einschätzung überwiegen.
Zu dem ganzen Thema muss man sagen, dass es in der Schweiz nur für den Integra Type R DC2 und für den Civic Type R EP3 homologierte und damit eintragbare Umbauten gibt, welche mit Roots-Kompressoren arbeiten. Bisher hat noch kein Tuner ein Turbo-System auf einem Honda-Motor homologiert. Dieser Punkt ist natürlich auch wesentliches Argument für den Entscheid, ob man einen Umbau machen lasst oder nicht. Dies hat aber grundsätzlich keinen technischen Hintergrund.