Bei der Bremsen ist es ja grundsätzlich so, dass Bewegungsenergie in Wärme umgewandelt wird und da setzt man an. Allerdings muss man die Optimierung der Bremsanlage hinsichtlich der Wärme (oder besser Hitze) von zwei Richtungen aus angehen: Zum einen Komponenten verwenden, die höheren Temparaturen standhalten und zum anderen Komponenten verwenden, die mehr Hitze aufnehmen und wieder abgeben können. Da werden jetzt aber die beiden Sachen vermischt. Wärembehandelte Scheiben halten höheren Temparaturen stand, grössere Bremsscheiben nehmen mehr Hitze auf und geben diese auch besser wieder ab.
Ein weiterer Punkt dem ein Augenmerk gilt ist die Dosierung der Bremse, die Verteilung der Bremsleistung vom Sattel auf die Scheibe und die Kontinuität der Dosierung der Bremsleisung, hier kommen Stahlfelx und die Anzahl der Kolben zur Geltung.
Komponenten die höheren Temparaturen standhalten:
Bremsbeläge mit einem höheren Reibwert
Verwendet man Bremsbeläge mit einem höheren Reibwert, funktionieren die auch bei höheren Temparaturen noch wie sie sollten und die Bremsleistung bleibt auch bei stärkerer Beanspruchung erhalten.
Wärmebehandelte Scheiben
Diese stehen in direktem Zusammenhang mit den Bremsbelägen, denn ein Bremssystem ist nur so gut wie das schwächste Glied in der Kette. Wenn die Bremsbeläge auch bei höheren Temparaturen funktionieren, die Scheiben aber früher an ihre Grenzen kommen, dann sind die Vorteile der Beläge natürlich durch die Scheiben begrenzt. Deshalb sollte man mit Serienscheiben auch nicht zu scharfe Beläge verwenden.
Bremsflüssigkeit mit einem höheren Siedepunkt
Auch wenn Scheiben und Beläge bei höheren Temparaturen funktionieren bringt es nichts, wenn die Bremsflüssigkeit überhitzt, deshalb wird Bremsflüssigkeit mit einem höheren Siedepunkt eingesetzt.
Komponenten die mehr Hitze aufnehmen:
grössere/dickere Bremsscheiben
Verwendet man grössere und/oder dickere Bremsscheiben (ITR-Bremsanlage, Big Brake-Kit) haben diese mehr Volumen, ergo nehmen diese auch mehr Hitze auf und geben diese auch besser wieder ab. Dadurch wird die Temparatur der Anlage reduziert und Belastung der relevanten Komponenten reduziert.
Komponenten welche die Dosierung/Verteilung verbessern:
Stahlflex Bremsleitungen
Das Bremssystem funktionert hydraulisch, das heisst durch das Betätigen des Bremspedals wird Druck auf die Bremsflüssigkeit ausgeübt, welche diese durch das ganze System zu den Sätteln/Kolben weiterleitet (jetzt einmal einfach ausgedrückt). Da die herkömmlichen Bremsschläuche aus Gummi sind, dehnen sich diese durch den Druck leicht aus, das heisst ein Teil der Energie wird von den Leitungen absorbiert und gelangt nicht zu den Kolben. Steigt die Temparatur der Bremsflüssigkeit, erwärmen sich auch die Bremsschläuche und dehnen sich damit mehr aus. Das bedeutet, dass der Druckpunkt in kaltem Zustand anders ist als in warmem/heissen Zustand. Stahlflex-Bremsschläuche dehnen sich nicht (bzw. deutlich weniger) aus und der Druckpunkt ist daher präziser. Auch wenn die Bremsflüssigkeit heisser wird verändert sich die Ausdehnung nicht (bzw. kaum), daher hat man auch bei härterer Beanspruchung einen weiterhin identischen Druckpunkt, womit sich die Bremse stehts gleich dosieren lässt.
Kolbenzahl
Beim EG-Civic (wie auch beim Integra, S2000 etc.) wird der Bremsbelag durch einen Kolben auf die Bremsscheibe gedrückt. Verwendet man nun Legend/ATR/NSX-Sättel, geschieht das durch zwei Kolben. Das heisst der Auflagepunkt der Beläge auf der Scheibe wird grösser (noch grösser bei einer Anlage mit vier oder sechs Kolben). Dadurch wird die Bremsenergie besser verteilt und kann besser dosiert werden. Ebenfalls wird die Hitze auf eine grösseren Fläche verteilt, was die Beanspruchung des Systems reduziert.
Im vorliegenden Fall geht es um einen EG9, der, wie ich dem Projekt-Thread entnommen habe, eher auf die Optik hin aufgebaut wird. Die Priorität liegt beim Bodykit und der Optik, nicht bei der Performance. Das Fahrzeug ist nur durch Federn tiefer gelegt, was bei Pässefahrten die Möglichkeiten schnell zu fahren schon einmal begrenzt. Daher kommt man auch mit weniger radikalen Massnahmen im Bereich der Bremsanlage zu einem Ergebnis, das auf das Gesamtkonzept abgestimmt ist. Deswegen empfehle ich bessere Street-Beläge (eigentlich reichen schon die Redstuff), die funktionieren auch mit den Serienscheiben, und vielleicht noch 5.1 Bremsflüssligkeit. Bevor man Geld in eine ITR-Bremsanlage (oder Legend-Sättel) investiert, würde ich besser ein richtiges Fahrwerk verbauen und erst in einem weiteren Schritt über eine grössere Anlage nachdenken, wenn das Performance-Potential des Fahrzeugs auch entsprechend erhöht wurde.
Bei meinem S habe ich z.B. bisher nur Stahlflex verbaut. Auf der Nordschleife oder bei Pässefahrten habe ich dadurch stehts einen gleichen Bremspunkt, allerdings kommen die Beläge bei härterer Beanspruchung schon einmal an ihre Grenzen. Allerdings muss man beim S beachten, dass die Bremsanlage grösser ist, die Serienbeläge bereits einen höheren Reibwert haben und durch die 50:50 Gewichtsverteilung die Hinterachse mehr Arbeit übernimmt, als bei einem Civic. Anders als der S ist der Civic mit den originalen Belägen klar überfordert, schon wenn man einmal auf der deutschen Autobahn bei 200 bremsen muss. Ich habe (auch auf der Rennstrecke) gut Erfahrung mit schärferen Belägen und 5.1-Bremsflüssigkeit gemacht (Ferodo DS2500 und DS3000+ beim CRX EE8). Klar war das nicht so gut wie die AP-Vierkolben-Anlage, die ich auf dem EK4 hatte, aber auf jeden Fall ausreichend. Auch die ITR-Anlage mit EBC Redstuff (EG2) war da nicht wesentlich besser. Beim S werde ich (nachdem die Beläge nun runter sind) für diese Saison auch nur Beläge und Flüssigkeit optimiert (EBC Yellowstuf und 5.1), das muss für Pässefahrten vorerst einmal reichen.